Der Traditionsbetrieb Huber Holding AG feierte unlängst mit einem grandiosen Fest sein 100 jähriges Bestehen. Grund genug, sich dieses Unternehmen und seine Erfolgsstrategie genauer anzusehen. TEXT: ANGELIKA THALER

Alle Menschen, egal ob Mann oder Frau, haben etwas gemeinsam: sie werden ihr Leben lang von Unterwäsche begleitet. Freilich hat sich seit Adams und Evas Feigenblatt optisch einiges getan. Heute bietet Huber für diesen essentiellen Bedarf mit seinen Marken Huber, Skiny und Hanro alles, was das Herz begehrt – von einfacher und komfortabler Funktionswäsche für jeden Tag bis hin zu verführerischen Dessous für ganz spezielle Augenblicke. Seinen Ursprung hat der Familienbetrieb in Götzis (Vorarlberg), wo der einstige reine Stoffproduzent 1908 von Josef Huber gegründet wurde. Heute beschäftigt die international bekannte und aktive Huber-Gruppe etwa 1.000 Mitarbeiter. Die Entstehungsgeschichte ist auch heute allgegenwärtig: „Das Familienunternehmen ist unsere Basis und wird immer unser Stamm bleiben. Bei der Suche nach neuen Lösungen sind wir stets bestrebt, den Familiengeist und den Spirit der Gründer zu erhalten“, erklärt Mathias Boenke, Marketing- und Vertriebsvorstand der Gesellschaft, den Anspruch des Unternehmens, der sich in Hochwertigkeit und der Mentalität widerspiegle. Diesen Geist zu bewahren und gleichzeitig Weltoffenheit zu beweisen, darin besteht die aktuelle Herausforderung, denn durch den neuen asiatischen Eigentümer hält die Internationalität verstärkt Einzug.

Der Zukunft entgegen 
In langjährigen Firmengeschichten finden sich gelegentlich auch Schwierigkeiten, hier scheidet sich die Spreu vom Weizen: nur Unternehmen mit positiver Einstellung und dem Willen zu Veränderungen können solche Stolpersteine überwinden wie die Krisenjahre Ende der 90er Jahre, die die gesamte europäische Textilwirtschaft erschütterten. Vorstand Dr. Erhard F. Grossnigg führte HUBER erfolgreich aus der wirtschaftlichen Misere, 2007 wurde ein Umsatz von 105 Millionen Euro (plus elf Prozent im Vergleich zu 2006) erwirtschaftet. „Ab 2009 wird Robert Ng, Eigentümer einer großen asiatischen Unternehmensgruppe, 100 Prozent der Aktien halten. Huber wird somit zu seinem europäischen Brückenkopf für Markenbusiness“, plaudert Boenke aus dem Nähkästchen. Sowohl Vorstand als auch Geschäftsführung seien sich aber einig, den Unternehmergeist und die Philosophie, die den Betrieb zu dem gemacht haben, was er heute ist, weiterführen zu wollen. „Die Weltöffnung ist eine Möglichkeit, etwas besonderes zu sein – eine Firma mit Herz“, stellt Boenke stolz fest. Während so gut wie jeder den Namen Huber sofort mit Unterwäsche in Spitzenqualität verbindet, ist nur wenigen bekannt, dass die Gruppe in insgesamt fünf Geschäftsfeldern tätig ist. Zum einen gibt es die drei Marken Skiny (Lifestylewäsche), Huber (traditionelle Sparte) und Hanro (weltbekannte, hochwertige Luxusmarke), zum anderen betreibt Huber einen Retailbereich sowie die hauseigene Produktion, deren Output auch andere Hersteller schätzen. Derzeit gibt es in Österreich etwa 70 Shops der Hubergruppe, hinzu kommen vier in Deutschland und etliche mit Partnern betriebene Filialen, europaweit insgesamt mehr als 120 Geschäfte. Innovative Produktentwicklung zog internationale Aufmerksamkeit auf Huber, besonders die Stoffe Sensicell und das Veredlungsverfahren „Smooth Skin“. Heutzutage fließen bereits 60 Prozent der qualitativ hochwertigen, in Österreich produzierten Stoffe in den Weltmarkt. „Sowohl mittel- als auch langfristig ist die Produktion in Europa durchaus sinnvoll, der Bedarf steigt stetig damit auch die Kosten, ein Beispiel dafür sind die Lohnkosten in China. Auch den Transport darf man nicht außer Acht lassen, besonders wenn man in die Gesamtkosten Umweltaspekte inkludiert“, ist Boenke überzeugt.

Outsourcing als Teil der Strategie 
„Im Logistikbereich muss man stets darüber nachdenken, was sinnvoll und am günstigsten ist. In Europa erfolgt der Transport hauptsächlich auf der Straße, diesen Bereich haben wir erfolgreich outgesourct“, führt Boenke aus. Aktuell ist für die Marken Skiny und Huber die Logwin unterwegs, die Verteilung für Hanro erledigt die Braun Spedition aus Vorarlberg. Ware aus Asien erreicht Österreich per Schiff via Hamburg, aber „derzeit findet ein Umdenken in alle Richtungen statt“, meint Boenke.