Wachsender e-Commerce führt zu technologischen Veränderungen. Die zunehmende Vernetzung richtet sich noch stärker als bisher auf den Konsumenten aus! Alles was lieferbar ist, wird geliefert – oft ist die bestehende Infrastruktur nicht mehr zeitgemäß. Aufgrund der allumfassenden Vernetzung wird EAD (electronic advanced data) die ERSTE und LETZTE Meile neu definieren.

BEITRAG: WALTER TREZEK

2018 markiert für Europa und Nord-Amerika das Jahr, in dem das B2C e-Commerce Volumen das B2C Briefvolumen im Bereich der Transaktionssendungen (Rechnungen, Polizzen, Kontonachrichten) überholt. Dem folgend, wird nach wie vor der bei weitem überwiegende Anteil der e-Commerce Sendungen durch Postzustellnetze verwaltet und ausgeliefert.

Non-food dominiert bislang den e-Commerce, aber die Vorzeichen sind klar – 2017 war der Startschuss der globalen Normung nachhaltiger B2C Lebensmittellieferungen. Experten sagen voraus, dass dem Nahrungsmitteleinzelhandel ähnliches, wie in der Vergangenheit dem Bucheinzelhandel bevorsteht, als Amazon den Markt durch online Handel revolutionierte. Der Nahrungsmittelhandel wird sich grundlegend, mit dem online Marktauftritt (lokal, regional und global) großer Netzwerke ändern. Nahrungsmittel werden den online Zustellmarkt überschwemmen, sobald normierte “indirekte, temperatur-kontrollierte Zustelldienstleistungen” verfügbar werden. Die Diversifizierung der Zustellkanäle nutzt neue hybride Alternativen für Zustellungen, die so nahe als möglich beim Empfänger liegen.

3D-Druck ist für die Versorgung von Verbrauchsmaterialien und Ersatzteilen sowohl im B2B- als auch B2C-Markt ausgereift. Der Konsument erwirbt beim Kauf von Geräten das Recht, sich gerätespezifische Verbrauchsmaterialien und Ersatzteile zu drucken. Alles im initialen Kauf des Gerätes einbegriffen. Hierfür bedarf es korrekter (Hersteller/IP lizensierter) “Druckerpatronen” und einer Interkonnektivität zwischen den Berechtigten, damit die Herstellergarantie und Gewährleistung erhalten bleiben. Je kundengerechter die Lösung, desto wahrscheinlicher ist eine Bindung mit dem Hardware-Hersteller, die auf einer langfristigen Drucklizenz für Verbrauchsmaterialien und Ersatzteilen durch einen online identifizierbaren 3D-Drucker basiert.

Alles ist miteinander verbunden.
Die aktuelle Neugestaltung von Produkten und Dienstleistungen für den e-Commerce bedarf einer fortgeschrittenen Datenübertragung, die noch vor jeglicher physischen Interaktion geschieht. Die Zeiten, in denen es noch rein um “tracking & tracing” ging, sind vorbei. Wachsender grenzüberschreitender e-Commerce benötigt Lösungen, bei der die Kennzeichnung auf dem Sendungsstück, Rückschlüsse auf den Inhalt der Sendung gestattet. Spezifizierte Daten müssen im Vorhinein, vor jedwedem Transport oder Grenzübertritt gesendet werden.

Das Technische Komitee 331 “postalische Diestleistungen” des Europäischen Komitee für Normung (CEN) hat eine technische Spezifikation (CEN/TS 17073 “Interface for cross-border parcels”) entwickelt, die es Versendern erlaubt auf deren Postsendungen (Warensendungen von 0 – 31,5 KG) einen GS1 „SSCC“ aufzubringen. Die TS17073 bietet eine Kombination zwischen spezifischen Barcodes der Zustelldienste (Post und KEP) und versenderspezifischen Lagerwirtschaftssystemen. Interoperabilität zwischen den Systemwelten wurde dadurch ermöglicht.

Dieses Prinzip beschränkt sich nicht auf die Warensendungszustellung. Vergleichbare Interkonnektivität, die Verbindung von einem gedruckten Dokument in einer Briefpostsendung und elektronischer Zustellung durch die Nutzung gesicherter elektronischer Zustelltechnologien, wurde bereits von global führenden nationalen Postunternehmen eingerichtet. Nationale, regionale und globale Gesetzgebung gewährleisten die nötigen Regeln und schaffen dadurch Vertrauen und Nachhaltigkeit. Besseres Datenmanagement – angefangen mit der breiten Integration von Versendern und einer verbesserten Effizienz auf der letzten Meile – führt zu einer Neudefinition sowohl der ERSTEN als auch LETZTEN Meile.

Je besser die Logistik- und Transportkette in die erste Meile integriert wird, desto höhere Effizienzgewinne können in der Gesamtsicht erreicht werden. In dem die verfügbaren Informationen (Vorlieben und Kundenverhalten) mit Echtzeitinformationen aus bestehenden Netzwerken, deren Auslastung und verfügbaren historischen Daten verbunden werden, können Zustelldienste flexible Lösungen für die erste und letzte Meile aufbauen.

Die Neuausrichtung der postalischen Adressinfrastruktur, indem die “alten” analogen nationalen Adressvorgaben durch digitale Möglichkeiten, wie “geolocation information services” erweitert werden, ermöglicht es, die Zustellung auf der letzten Meile direkt mit Applikationen – die auf weitverbreitende Endgeräten (Mobiltelefonen) der Konsumenten verfügbar sind – zu verbinden.

Konsumentennachfrage durch (Online-) Handel gesteuert.
In dem Maße, in dem sich der globale Handel von Multi-Channel zu einem integrierten Omni-Channel Umfeld bewegt, gewinnt die Unterstützung der unterschiedlichen Vertriebskanäle an Bedeutung.  Stationärer Handel wird digital vernetzt, der Onlinehandel braucht ebenso physische Verkaufslokale. Die Natur der Zustelladressen verändert sich. Es ist entscheidend, dass die bestellte Ware zum “Point of Presence” des Empfängers geliefert wird. Dieser “Point of Presence” wird zwischen dem Empfänger und dem Zustelldienst auf der letzten Meile (gerade da sich Zustellung zunehmend zu einem Multi-Channel und Multi-Stakeholder Geschäft entwickelt), bis zum letztmöglichen Zeitpunkt für eine Interaktion, festgelegt.

Steigendes Versandvolumen führt zur Weiterentwicklung der Infrastruktur.
Experten sagen eine Verdoppelung des Versandvolumens an den Endempfänger bis 2023 voraus. In dicht bevölkerten Gebieten erfordert dieser Anstieg von Paketliefermengen eine Weiterentwicklung der Infrastruktur. „Electronic Advanced Data“ zu grenzüberschreitenden Warensendungen stehen bereit, noch bevor das Paket den Standort des Versenders verlässt. Das steigende Volumen in den kommenden Jahren wird erforderlich machen, von den bestehenden Multi-Carrier-Strukturen zu profitieren. Gleichzeitig wird das bestehende Konsolidierungspotential in der heute bestehenden Multi-Pipeline Umwelt zu realisieren sein. Dazu wird es notwendig sein, jeden Teilbereich der Wertschöpfungskette in Echtzeit zu überwachen, sodass verfügbare Kapazitäten, als auch die bestmögliche Dienstleistungsqualität zugänglich gemacht werden kann. Dies selbstredend unterstützt durch ein nachvollziehbares Entgeltungssystem zwischen den beteiligten Teilnehmern (wie etwa ein Terminierungssystem für festgelegte Teile der Wertschöpfungskette nach Service-Level- Vorgaben).

Aktuell werden „Smart City“ Pilotprojekte in verschiedenen Ländern auf der ganzen Welt gestartet, die die nötigen Voraussetzungen testen. Aber auch ländliche Gegenden müssen an den globalen e-Commerce angebunden werden. Dennoch ist es weder nachhaltig noch effizient zu vernachlässigen, dass es nicht ausreichende Volumina für abgelegene ländliche Gegenden gibt. Sobald aber „Smart Country Projekte“ die nötige Konsolidierung unterstützen, sodass die effizienteste Zustellung durch einen ausgewählten Zustellbetreiber (auch nach Wertschöpfungskettenelementen), für alle anderen erreicht werden kann, wird das Konsolidierungsmodell dazu führen, dass ausreichend Volumen für einen Zustelldienstleister durch die Zusammenlegung aller geschaffen werden kann. Dies auch ohne die Versender – Zustelldienst – Bindung zu durchbrechen.

Rekapitalisierung ist notwendig.
Die heutige Zustellung von Warensendungen basiert auf einem antiquierten Geschäftsmodell, das für eine ganz andere Art der universellen Post- und Paketdienstleistungen gebaut wurde. In naher Zukunft werden fortgeschrittene Datensysteme dem Konsumenten erlauben, einen bevorzugten Point of Presence auszuwählen, um Bestellungen zu empfangen und in direkter Echtzeit-Interaktion mit dem Versender und dessen ersten Dienstleister in der Wertschöpfungskette zu administrieren. Der erste logistische Dienstleister wird in einem Multi-Carrier- und Multi-Pipeline-Umfeld, auf Basis von Vereinbarungen über die Qualität der Zustelldienstleistung ausgewählt.

Die Gesetzgebung hierfür existiert bereits und die nötigen technischen Standards und Kommunikationsnormen werden aktuell entwickelt. Großprojekte zur Nutzung von fortgeschrittenen Datensystemanwendungen, in denen eindeutige Sendungskennzeichnungen (unique identifiers) genutzt werden, haben begonnen. Behörden erhalten dabei Zugang zu Informationen über den Inhalt jeder kommerziellen Warensendung in einem B2B2C Netzwerk. Dem folgend, werden in einem Leuchtturmprojekt der brasilianischen Post und dem „Global Monitoring System“ des Weltpostvereins (UPU) in den kommenden zwei Jahren 400 Millionen PFID Etiketten zu diesem Zweck eingesetzt. (RED WT)

Quelle: LOGISTIK express Ausgabe 4/2018