Die Kombination aus Naturerlebnis, Kontaktbörse in entspannter Atmosphäre, hochkarätigen Fachvorträgen und kulinarischen Genüssen – das alles und noch mehr ist die Autocontact 2009, die auch in diesem Jahr wieder zahlreiche Teilnehmer anlockte.

 

Traf man sich im Vorjahr noch in Oberkapfenberg, rief der Veranstalter ACstyria diesmal alle nach Stainz ins malerische Schilcherland. Am Donnerstag, dem 25. Juni 2009 gab es zum Auftakt ein gemütliches abendliches Beisammensein mit zünftiger Live-Musik der Sulmtaler Tanzlmusi und steirischen Schmankerln im Rauchhof. Nachdem bei edlem Weingenuss die ersten interessanten Gespräche geführt und Kontakte geknüpft waren, ging es in die umliegenden Hotels, wobei das eine oder andere Schlafgemach wohl erst zu sehr fortgeschrittener Stunde aufgesucht wurde.

 

Der Vormittag des zweiten Veranstaltungstages stand ganz im Zeichen von Sport, Erlebnis und Kultur. Mehrere Möglichkeiten standen zur Auswahl, von ÖAMTC-Kompakt-Fahrertrainings mit dem PKW oder Motorrad über Golf-Schnupperkurse oder Turniere bis hin zu einem Besuch des Jagdmuseums und der Erzherzog Johann Ausstellung im Schloss Stainz oder einer gemütlichen Traktorfahrt durchs Schilcherland – für jeden Geschmack war etwas dabei. Dank des lockeren Arrangements der Aktivitäten kamen auch interessante Gespräche keinesfalls zu kurz.

 

Nach dem lockeren Auftakt rief ab 15:30 Uhr wieder der Ernst des Lebens: die Zukunftskonferenz „Future of Mobility“ im Schloss Stainz konnte mit hochkarätigen Referenten punkten, die sich nicht davor scheuten, auch heiße Eisen anzufassen. Zudem gab es eine besonders launige Moderation durch Silvia Gaich. Nach der herzlichen Begrüßung durch den Geschäftsführer des ACstyria, Karl Pansy, und einleitende Worte des Bürgermeisters von Stainz, Walter Eichmann, sowie des Landesrats für Wirtschaft, Innovation und Finanzen, Christian Buchmann, eröffnete Stephan Mayer von A.T.Kearney den Vortragsreigen. Er präsentierte die Ergebnisse der Studie „Trends, Chancen und Herausforderungen für die Automobilindustrie in der Steiermark“, die einen klaren Technologieumbruch in nächster Zeit voraussagt. Er kam zu dem Schluss, dass besonders aus dem asiatischen Raum neue Player auftauchen werden, die über „High-Tech-Low-Cost-Know-how“ verfügen und den Verdrängungswettbewerb anheizen werden, etwa durch die Produktion von ULCCs (Ultra-Low-Cost-Cars). Laut Studie liegen die Wachstumschancen in Nordamerika, Asien und Osteuropa, der Anteil der Entwicklungskapazität wird demnach bis 2020 in den Schwellenländern auf 60 Prozent ansteigen. „Wenn wir nicht wollen, dass andere uns zuvorkommen, müssen wir rasch handeln“, ist Mayer überzeugt und empfiehlt, die Region zum bevorzugten Kunden zu machen. Das Ergebnis zeigt zudem die dringende Notwendigkeit einer Flexibilitätszunahme, etwa den Übergang von Push- zu Pullstrategien.

 

Wolfgang Pell, Bereichsleiter Innovation, Research and Development beim Verbund, ließ mit seinen Ausführungen zum Thema „Anforderungen an ein Energiesystem der Zukunft mit dem Fokus auf die Elektro-Mobilität“ aufhorchen. Aktuell beträgt der Anteil der erneuerbaren Energieträger bei der Mobililtät lediglich 6 Prozent, das EU-Ziel von 34 Prozent bis 2020 liegt in weiter Ferne. „Elektromotoren sind aus rein physikalischer Sicht wesentlich effizienter als Verbrennungsmotoren, gleichzeitig wird viel weniger CO2 produziert“, schilderte er zwei Vorteile. Seiner Meinung nach ist ein gründliches Überdenken der Systemarchitektur vonnöten, etwa die Betrachtung des Automobils als Abrechnungsgegenstand, um das Thema voranzutreiben. Denn aufgrund der reichlich vorhandenen Wasserkraft sei Österreich geradezu prädestiniert für Elektromobilität. „Emissionsfrei, erneuerbar und effizient – das ist das Ziel für die Zukunft“, ist er überzeugt.

 

Søren Salomo, Professor für Innovationsmanagement am „Center for Technology, Economics and Management“ an der Dänischen Technischen Universität in Kopenhagen, zeigte „Herausforderungen im Front-End von Innovationen“ auf. Laut einer Studie hätten besonders jene Unternehmen – unabhängig von ihrem F&E-Anteil – eine herausragende Performance auf dem Kapitalmarkt, die über ein entsprechendes Ideenmanagement verfügten. Mitarbeiter müssten nicht nur die Gelegenheit haben, ihre Ideen zu äußern, sondern auch, zu den Vorschlägen der anderen Stellung zu nehmen und sie dadurch anzureichern – um tatsächlich die besten Ansätze zu erhalten. „Ganz wichtig sind eine transparente Auswahlbasis sowie eine funktionierende Feedbackschleife, um die Motivation der Mitarbeiter zu erhalten und nachhaltig frische Ideen zu erlangen“, verdeutlichte Salomo die Sinnhaftigkeit eines IMS (Ideenmanagementsystem).

 

Eine Erfrischungs- und Networkingpause später ergriff Peter Reif, Vice President Engineering und Mitglied der Geschäftsführung von Magna Steyr das Wort, um sehr pointiert auf „Alternative Antriebe im Fahrzeugbau – Schwerpunkt Elektrofahrzeug“ hinzuweisen. „Der Trend ist nicht aufzuhalten, meiner Meinung nach wird es ab etwa 2040 ausschließlich Elektrofahrzeuge geben“, machte Reif seinen Standpunkt klar. Ein Grund dafür sei die momentan vorherrschende Abhängigkeit der Weltwirtschaft vom Ölpreis, der sich auf einem Preisniveau von etwas über USD 100,- pro Barrel stabilisieren sollte. Als weitere Technologietreiber sieht er die CO2-Problematik sowie Strafzahlungen und Auflagen, wie etwa die Ökozonen in Ballungsräumen wie London. „Das erklärte Ziel ist das reine Elektrofahrzeug, momentan scheitert es noch an der Batterie, die zu groß, zu schwer und zu teuer ist. Noch!“ schürte Reif die Erwartungen. Dann malte er noch ein Bild vom Automobil der Zukunft, das in punkto Design aufgrund der technischen und baulichen Voraussetzungen für Batterien oder Wasserstofftanks von aktuell zugelassenen Fahrzeugen abweichen und ein Umdenken erfordern wird. „Die Lösungen der Zukunft sind nur gemeinschaftlich möglich, unter Zusammenarbeit der Autoindustrie, der Netzwerkbetreiber und der Gesetzgeber“, mahnt er und nährt gleichzeitig den Verdacht, dass uns seitens seines Unternehmens in naher Zukunft eine Überraschung bevorsteht.

 

Bei der abschließenden geführten Diskussionsrunde versammelten sich die Vortragenden, ergänzt um Klaus Friesenbichler vom Österreichischen Institut für Wirtschaftsforschung, Manfred Kainz von TCM, Volker Grienitz von der Universität Siegen und Bettina Mayer, Chefredakteurin der Automobil Produktion, um sich über ihre Sicht der „Automobilindustrie heute und morgen“ auszutauschen. Beim offenen Ausklang samt Weinverkostung und warmem Buffet wurden noch so manche Visitenkärtchen getauscht – und somit hat die Veranstaltung ihren Auftrag absolut erfüllt.

 

 Redaktion: Angelika Thaler