Auf der Suche nach neuen Absatzmärkten haben viele Unternehmen bereits die MOEL-Länder für sich entdeckt, einige zögern diesen Schritt noch hinaus. Zu Unrecht? TEXT: ANGELIKA THALER

Der Begriff MOEL oder auch CEE (Central and Eastern Europa) findet sich heutzutage in fast aller Munde, obgleich er nicht eindeutig festgelegt ist. Fix zu dieser Region zählen die Länder Estland, Lettland, Litauen, Ungarn, Tschechien, Polen, Kroatien, Slowenien, Bulgarien, Rumänien und die Slowakei. Je nach Anschauung umfasst das Gebiet auch noch Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Albanien, Mazedonien, Moldawien, Russland, Weißrussland und die Ukraine. 

Von Wiener Neudorf nach ganz Osteuropa
Ein international tätiger und sehr bekannter Konzern, der von Wiener Neudorf aus erfolgreich seine Vermarktung in die MOEL organisiert, ist die REWE Group Austria. Ihr gesamtes Auslandsgeschäft wird über ein Tochterunternehmen, die Eurobilla AG, abgewickelt. Vor den Toren Wiens entwickelt das Eurobilla-Team landesspezifische Strategien und regelt den Know-how-Transfer für über 800 Marktfilialen in Tschechien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Russland, Polen, der Slowakei, der Ukraine und zusätzlich noch in Italien. „Je nach Land erfolgt die Distribution individuell“, erklärt Christian Kern, Leiter des Logistikbereichs der Eurobilla. Dabei setze man auf einen Mix aus Standorten mit klassischem Zentrallager oder Regionallager – je nachdem, welche Lösung wirtschaftlicher sei – oft ergebe sich eine Mischung aus klassischer Lagerhaltung mit Cross-Docking. Die Ausnahmen seien Russland und die Ukraine, wo die Produzenten direkt an die Filialen liefern. „Einer unserer Erfolgsfaktoren ist unser flexibles, modular einsetzbares Logistiksystem, das sich je nach Standort in eigene Lager, Mietobjekte oder enge Zusammenarbeit mit Logistikdienstleistern aufteilt. Die Herausforderung ist, die optimale Mischung zu finden“, ist Kern überzeugt. Der Trend gehe seiner Meinung nach in dieser Branche jedoch eher in Richtung Zentralisierung. 

Bündelung als Kostenfaktor 
„Es ist ein ganz entscheidender Kosten- und damit auch Erfolgsfaktor, Transporte voll auszulasten“, stellt Kern fest. Im Zuge einer mehrstufigen Distribution würde der Konzern einzelne Warenlieferungen bündeln, um so gleich größere Mengen ausliefern zu können. Die Schwierigkeit dabei sei die Frage, von welcher Quelle das Produkt stamme und wie man die richtigen Lieferketten sinnvoll gestalten könne. „Im Gegensatz zu Österreich wird bei Eurobilla der Transport hauptsächlich über entsprechende Dienstleister und Spediteure abgewickelt“, ergänzt Kern. 

Täglich neue Herausforderungen 
Auf die Frage nach den größten Herausforderungen im Kontakt mit den MOEL nennt Kern drei persönliche Highlights: Transport, Personal und flexible Rahmenbedingungen. „In allen Ländern steigen die Transportkosten stetig, trotzdem wächst das Verkehrsaufkommen viel schneller als die Infrastruktur. Über kurz oder lang resultieren daraus Transportbeschränkungen, wie die Citymaut in Bukarest“, erzählt er. Deshalb sei es in Zukunft so wichtig, den Ausbau der Häfen und der Straßennetze voranzutreiben – der Schienentransport spielt bei Eurobilla noch eine untergeordnete Rolle. „In boomenden Großstädten und deren Umgebung herrscht nahezu Vollbeschäftigung, die es besonders schwierig macht, passendes Personal zu finden“, spricht Kern ein heikles Thema an. Hier käme es oft zu Engpässen, allerdings seien diese im Retailsektor nicht ganz so schlimm wie in anderen Branchen. Schließlich noch der Punkt Rahmenbedingungen: „In diesen Ländern kommt es durchaus zu kurzfristigen Änderungen, weswegen die Möglichkeit der raschen Anpassung der Logistikprozesse unabdingbar ist. Mit ein Grund, warum Kontraktlogistiker derzeit so starken Zuspruch erfahren“, führt Kern aus. Einen weiteren Unsicherheitsfaktor nennt Kern: „Jede Zollabwicklung bedeutet eine gewisse Barriere, auch wenn diese meist unseren Lieferanten oder Spediteuren obliegt. Eventuelle Unregelmäßigkeiten erschweren die Planung. Innerhalb der EU ist der Transport erfreulicherweise einfacher.“ 

Qualität ist selbstverständlich 
Für einen Konzern, der hauptsächlich Lebensmittel vertreibt, zählt beste Qualität zur Unternehmensphilosophie. Dieser Anspruch betrifft natürlich auch den Logistikbereich. „Bei uns sorgen in der ersten Stufe die Transportdienstleister für die Einhaltung der Qualitätsstandards, außerdem finden neben der steten Wareneingangskontrolle in weiterer Folge auch Qualitätskontrollen durch eigene Mitarbeiter statt“, verrät Kern. Eurobilla stelle zudem sehr hohe Ansprüche an die beauftragten Transportunternehmen, so dürften beispielsweise LKW nicht älter als fünf Jahre alt sein. Auch die lückenlose Aufrechterhaltung der Kühlkette würde überprüft. „Wir haben gewisse Regeln als Standard für unsere Spediteure definiert, die genau eingehalten werden müssen“, erläutert Kern. Auch das Thema Nachhaltigkeit gewinne an Evidenz, Eurobilla führt derzeit mehrere Projekte in dem Bereich durch. Kern dazu: „Man muss hier weiterdenken, denn häufig ist ökologischer auch ökonomischer.“