Viele Unternehmen sind bemüht, ihr Geschäftsmodell zu erweitern und neue Bereiche für sich zu erschließen. So erscheint es nur logisch, wenn ein Regalhersteller beginnt, ganze Läger zu planen und diese Dienstleistung anzubieten. So weit – so gut. Oder doch nicht? Consultingunternehmen haben naturgemäß eine etwas differenziertere Sichtweise.

Wenn Produzenten oder Händler ein neues Lager brauchen, stehen sie vor der Qual  der Wahl: wen sollen sie beauftragen? Wem ihr Vertrauen und somit möglicherweise ihren zukünftigen Geschäftserfolg schenken? Lieber einen unabhängigen Berater engagieren, der die optimale Lösung ermittelt, oder doch eine bereits bekannte Firma mit der Generalunternehmerschaft betrauen und somit vor keine weiteren Entscheidungen gestellt sein? Eines vorweg: die Antwort liegt irgendwo dazwischen…

Bequemlichkeit kann teuer sein
Die Generalunternehmerschaft hat einige Vorteile, nach einer gewissen Zeit kann der Auftraggeber ein schlüsselfertiges, voll funktionsfähiges Werk übernehmen, er erhält ein „rundum sorglos Paket“. „Je komplexer die Anlage, desto sinnvoller ist die  Betrauung eines GUs für die Umsetzung, da so Schnittstellen reduziert werden können“, erklärt Jürgen Hess, Geschäftsführer der Miebach Consulting GmbH. „Allerdings hat jemand,der sich früh auf einen GU festlegt, keine Einflussmöglichkeit mehr, und nicht immer muss die GU-Lösung auch die wirtschaftlichste sein.“ Derselben Meinung ist auch Ing. Christian Skaret, Geschäftsführer der ECONSULT Betriebsberatungsges.m.b.H: „Hat man einen Generalunternehmer, findet natürlich keine Ausschreibung der einzelnen Gewerke mehr statt, jeglicher Wettbewerb fehlt. Dabei lässt sich gerade jetzt im Moment sehr viel sparen, durch die Krise sind Investitionen viel günstiger als davor.“ Etwas besser ist in seinen Augen eine offene GU, wo der Kunde ein Mitspracherecht bei der Vergabe an Subunternehmer behält.

Neutraler Planer – wozu?
„Wenn ich ein Lager errichte, betrifft das die gesamte Logistik. Ein herstellerunabhängiger Planer sieht sich das neutral an, bezieht alle nötigen Schnittstellen mit ein, legt anhand der Ziele den Umfang fest, plant und macht dann eine Ausschreibung. Durch verschiedene Anbieter entsteht natürlich Wettbewerb, und das Projekt wird im Regelfall kostengünstiger“, erläutert Skaret. „Durch die deutlichen Einkaufsvorteile durch neutrale Bewertung der einzelnen Angebote übertreffen die Einsparungen für gewöhnlich das Beraterhonorar“, meint Hess. „Außerdem ist die Betrachtungsweise ganzheitlich – das bedeutet, ein erfahrener Planer bezieht auch das Anlaufmanagement und die Schulung der Mitarbeiter nach Projektabschluss mit ein, und die macht immerhin bis zu 50 Prozent des Projekterfolgs aus“, ist Hess überzeugt.

Pro und Contra
Ein wichtiges Kriterium vor der Vergabe ist die Qualität der Ausschreibung, die direkten Einfluss auf die einlangenden Angebote hat. „Je detaillierter die Ausschreibung, desto konkreter und damit vergleichbarer sind die Angebote. Wichtig ist, unvorhergesehene Mehrungen von Vornherein auszuschließen. Viele Unternehmen sind bemüht, ihr Geschäftsmodell zu erweitern und neue Bereiche für sich zu erschließen. So erscheint es nur logisch, wenn ein Regalhersteller beginnt, ganze Läger zu planen und diese Dienstleistung anzubieten. So weit – so gut. Oder doch nicht? Consultingunternehmen

haben naturgemäß eine etwas differenziertere Sichtweise. Bei der Erstellung der Ausschreibung kann ein unabhängiges Planungsbüro äußerst hilfreich sein“, führt Hess aus. „Die Gefahr dabei kann es sein, dass man durch zu exakte Vorgaben mögliche Innovationen und Ideen der Industrie ausschließt“, gesteht er. Die Lösung und Praxis in diesem Fall sei es, die Möglichkeit für Alternativangebote zu geben, denn oft entstehe das endgültige Projekt erst durch das Zusammenspiel von Kunde, Planer und Lieferant. „Die Aufgabe des Fachplaners ist es, den Überblick zu bewahren. Es gilt, erst das Werkstück zu formulieren und dann das geeignete Werkzeug zu suchen. Natürlich kann auch ein Generalunternehmer die beste Lösung finden, aber normalerweise beziehen herstellerbezogene Planer das Umfeld nicht oder nur wenig mit ein, sondern haben doch „ihre“ Lösung im Hinterkopf“, weist Skaret auf die Problematik hin.

Ein Fachplaner hingegen sei bemüht, das Werkstück in sich schlüssig zu erstellen und nicht rein das umzusetzen, was der Kunde zu brauchen glaubt – sondern das, was er tatsächlich braucht. Skaret: „Das Lager ist eine Abpufferung von Unsicherheiten, die aus Absatz und Zugang resultieren. Je mutiger ich bin, desto kleiner kann mein Lager ausfallen. Dieses Risiko nun abzuwägen und den Idealweg zu finden, ist Aufgabe des unabhängigenbPlaners. Natürlich ist wichtig, was der Kunde will – aber ein Berater überprüft, ob das auch notwendig ist.“ „Egal, ob man einen Generalunternehmer beauftragen oder die Gewerke einzeln vergeben will, ich empfehle jedem, für die Konzeptplanung und das Projektmanagement einen neutralen Planer hinzuzuziehen, der den Liefer- und Leistungsumfang festlegt, nach Fertigstellung testet und die Abnahme vornimmt. So kann man böse Überraschungen vermeiden“, rät Hess. Eine Universallösung gebe es nämlich nicht.

Quelle: Logistik Express Ausgabe 2 | 2009