Interview mit Univ.-Prof. Dr. Sebastian Kummer, Vorstand des Instituts für Transportwirtschaft und Logistik an der Wirtschaftsuniversität Wien

Im vergangenen Jahr konnten wir einige ehr spannende Projekte durchführen, auch auf dem Gebiet der Distributionslogistik, die mehr in den Fokus rückt. Zu Jahresbeginn beschäftigte uns unter anderem die Kostensteigerung im Transportbereich, nun denken sehr viele über ihre Strukturen und grundlegende Veränderungen dieser nach. Wir haben auch ein großes und sehr interessantes Projekt zum Schienenverkehr in Osteuropa und zur Breitspuranbindung durchgeführt, hier sehe ich auch zukünftig große Chancen. Wir führten auch die Studie „Ist der österreichische Einkauf fit für die Krise“ durch. Ein weiterer relevanter  Forschungspunkt ist die Modellierung der Rückfrachten. 
 
Insgesamt gab es 2008 so viele Projekte wie nie zuvor, und sie umspannten sämtliche Verkehrsträger. Eines unserer Highlights ist der Lehrgang universitären Charakters „Logistik Management“ in Salzburg, für den sich so viele Studenten wie noch nie gemeldet haben. Auch unser Schienengipfel im November war äußerst erfolgreich. Insgesamt war es ein sehr erfolgreiches Jahr, bezogen auf die Studiengänge wurde die WU international sogar an dritter Stelle gereiht, und auch die zweite Auflage unseres Buches „Internationales Transport- und Logistikmanagement“ ist fertig, glücklicherweise hält die Nachfrage nach Ausbildung an. Das Jahr 2009 wird wohl das seit langem schwierigste Jahr in der Transportwirtschaft, vor allem in Straßengüterverkehr wird es infolge der Mengenrückgänge zu Insolvenzen kommen. 

Was mich jedoch am meisten beunruhigt ist, dass scheinbar die Chancen auf Umgestaltungen bei Unternehmen und der staatlichen Verkehrspolitik ungenutzt bleiben. Dabei wäre die Krise der optimale Ansatz, beispielsweise von den traditionellen Großbauprojekten abzukommen, die ökologische Ausgestaltung der Maut nach Fahrzeugklassen zu forcieren, alternative Antriebe stärker zu fördern und vieles Univ.-Prof. Dr. Sebastian Kummer Vorstand, WU-Wien Transportwirtschaft und Logistik mehr. Die Herabwirtschaftung der AUA ist für mich ein Trauerspiel, und auch bei den ÖBB habe ich schon lange vor einem Anstieg der Verschuldung gewarnt, ich stehe auch der Übernahme der MAV Cargo kritisch gegenüber, da Ungarn für die Bahn kein leichtes Terrain ist. 

Zu Weihnachten wünsche ich mir daher wirklich, dass die  Menschen die Krise als Chance nutzen.

Quelle: Logistik Express Online-Journal – Nr.4