Ein Flughafen ist eine Art Kleinstadt. Täglich versammeln sich dort zahlreiche Menschen und reisen von dort aus in eine andere Stadt oder gar auf einen anderen Kontinent. Zeitgleich übernimmt ein Team vor Ort im Hintergrund eine Fülle an Aufgaben. Denn: Egal, ob das Einchecken, die Gepäckaufgabe, Beratung und Hilfe, Gastronomie oder die An- und Abreise der Passagiere – all diese Bereiche müssen gut gemanagt werden. Zudem werden Reisegäste und Gepäck beim Check-In voneinander getrennt, sodass für die Koffer, Sperrgut und Taschen eine eigene Logistik existiert. Die Intralogistik eines Flughafens ist somit ein komplexer Bereich, der viel Know-how erfordert, wie auch der folgende Bericht verdeutlicht.

Von der Vogelperspektive aus betrachtet, kann man sehen, was so alles an den Gates und auf dem Rollfeld koordiniert werden muss. Ein Flughafen ähnelt in seiner Infrastruktur einer Kleinstadt. Unsplash.com © Skyler Smith CC0 Public Domain

Passagiere und Gepäck: Zwei separate Reisesysteme

Ein Flughafen ist im wahrsten Sinne des Wortes ein Dreh- und Angelpunkt. Von hier aus starten jeden Tag und jede Nacht zahlreiche Flugzeuge samt Piloten, Crew und Reisegästen. Und zur gleichen Zeit landen etliche Maschinen und deren Passagiere. Gemeinsam mit den Menschen wird auch deren Gepäck und weitere Fracht von A nach B befördert. Bis auf kleine Mengen Handgepäck nehmen die Passagiere ihre Koffer allerdings nicht selbst mit in das Flugzeug, sondern geben diese schon beim Check-In und während des Vorzeigens ihres Tickets beim Bordpersonal auf. Die meisten kennen also das Szenario, wenn der eigene Koffer auf das Rollband gestellt, gewogen und mit einem Etikett versehen wird. Auf bestimmten Flughäfen können Passagiere sich selbst und ihr Gepäck auch schon selbst einchecken. Danach verschwindet ebendieser Koffer und taucht im Regelfall erst wieder am Kofferband am Reiseziel auf.

Hinter diesem separaten Reisesystem des Gepäcks steckt eine clevere Intralogistik. Unter Intralogistik versteht man ganz allgemein die Steuerung, Organisation und den Durchfluss von Materialflüssen. In der Industrie beschreibt der sogenannte Materialfluss die Wege von Rohstoffen, Materialien und Teilen, die innerhalb des Herstellungsprozesses zu einem Produkt zusammengefügt werden. Am Airport sind jedoch sowohl die Passagiere selbst als auch deren Gepäck und weitere Fracht als Materialfluss anzusehen. Die Reisegäste werden jedoch selbstverständlich anders behandelt als nicht lebendige Fracht. Und: Sie müssen selbst darauf achten, zum richtigen Zeitpunkt beim richtigen Gate zu sein.

Um gesamtheitlich betrachtet eine leistungsstarke Intralogistik am Flughafen gewährleisten zu können, müssen diverse Bereiche mit passender Software ausgestattet und in weiterer Folge koordiniert werden. Dazu gehören unter anderem:

  • Lagersysteme
  • Fördersysteme
  • Wareneingang und -ausgang
  • Kommissionierung
  • Sortier-Systeme

Für eine innovative Flughafenlogistik sind also intelligente Lösungen notwendig. In Verbindung mit zeitgemäßen Antriebssystemen in den Bereichen Gepäckeinlagerung, Check-in oder Gepäckausgabe werden optimale Voraussetzungen geschaffen, um den Materialfluss am Flughafen bestmöglich steuern und kontrollieren zu können.

Der aktuelle Standard – Intralogistik 4.0

Das heißt: Egal, ob in der Industrie, im Maschinenbau oder eben auch am Flughafen – die Digitalisierung ist mittlerweile allgegenwärtig. Momentan spricht man in diesem Zusammenhang von Intralogistik 4.0. Dabei werden nicht mehr nur Prozesse automatisiert und digitalisiert, sondern die einzelnen Systeme können darüber hinaus bereits intelligent miteinander kommunizieren. Es handelt sich dabei also um smarte Systeme, die verschiedene Prozesse ohne menschliches Zutun aktiv gestalten und Entscheidungen treffen können. Dabei kommen cloudbasierte Rechnerarchitekturen, Big Data oder RFID zum Einsatz.

Ein Beispiel für diese neue Form von Intelligenz in der Logistik sind intelligente Behälter, die selbst erkennen, ob ein bestimmter Inhalt vorhanden ist oder ob eine bestimmte Menge an Gütern überschritten wird. Hierfür werden an sich leblose und ganz einfache Behälter durch KI mit Intelligenz ausgestattet und somit in die Lage versetzt, selbstständig mit einer anderen Maschine zu kommunizieren. Wird dann zum Beispiel gemeldet „Behälter ist voll“, löst dies einen automatisierten Prozess aus, um einen neuen, füllbaren Behälter an dessen Stelle zu bringen. Umgekehrt gibt ein solcher Behälter selbstständig Bescheid, wenn sein Inhalt den Meldebestand zur Auffüllung erreicht hat, sodass Materialien, Güter oder andere Inhalte automatisch nachgefüllt werden können.

Dieses Beispiel veranschaulicht bereits einen großen Vorteil dieser modernen Intralogistik: Die Digitalisierung samt künstlicher Intelligenz sorgt dafür, dass sich Leerzeiten verringern, Kosten eingespart werden und weniger in die Arbeit eingegriffen werden muss. Neben vielen Vorteilen gibt es also auch Nachteile bei der Intralogistik – vor allem für Betriebe, die technisch nicht ganz auf dem aktuellen Stand sind.

Menschliche Fehler spielen geringere Rolle

Ganzheitlich betrachtet bietet eine gut aufgesetzte Prozessoptimierung mit Intralogistik 4.0 Unternehmen wie einem Flughafen jedoch viele Vorzüge. Überall dort, wo früher zum Beispiel ein Mitarbeiter der Gepäckabfertigung darüber entschieden hat, ob der Rollwagen voll ist oder nicht, übernimmt dies nun eine Software und reagiert selbstständig. Gleichbleibend belastbar, bei korrekter Programmierung fehlerfrei und darüber hinaus auch noch kalkulierbar, finden die Koffer vom Check-In dank einer solchen modernen Technologie pünktlich in das richtige Flugzeug. Die Folge: Fehler, die von Menschen verursacht werden, spielen eine immer geringere Rolle.

Die Logistik des Airports stellt sicher, dass täglich mehrere tausend Koffer unterschiedlicher Passagiere durch ein kluges System den Weg ans Ziel finden. Unsplash.com © Skyler Smith CC0 Public Domain

Auch Leerstände, Warte- und Umbauzeiten werden durch Intralogistik deutlich reduziert. Denn Abläufe sind dadurch in Summe planbarer, weil sich beispielsweise ein langer Krankenstand nicht sofort auf die gesamten Abläufe niederschlägt. Gerade auch Personalkosten lassen sich durch intelligente Systeme drastisch reduzieren. Und diese Kostenvorteile können am Ende ein echter Wettbewerbsvorteil sein, der auch dem Kunden zugutekommen kann.

Im Idealfall lassen sich sogar Lagerflächen reduzieren und Abläufe weiter optimieren. Flughäfen mit einem hohen Anteil an Frachtverkehr können mittels einer guten Logistik-Software ebenso Kosten sparen und auch ein höheres Aufkommen mühelos stemmen.