Um die aktuelle Lage im Bezug auf Lieferantenbeziehungen zu erfassen, führten die PRTM Management Consultants die Studie „Flexibility in Times of Crisis“ als Ergänzung ihrer Studie „Global Supply Chain Trends 2008 – 2010“ durch. Ergebnis: gemeinsam geht besser als einsam.

Aus den Befragungen geht eine eindeutige Verschiebung der Prioritäten hervor“, erklärt Michael D’heur, Principal bei PRTM und Studienleiter, „lagen im Jahr 2008 noch die Globalisierung, Qualitätssicherung und Personalfindung im Fokus, kämpfen jetzt viele ums Überleben, wodurch Bestandskostenreduktionen in den Mittelpunkt gerückt sind.“ Doch weniger Lagerbestand bedeute gleichzeitig auch eine größere Abhängigkeit von der Zuverlässigkeit der Lieferanten.

Damoklesschwert Lieferantenkonkurs
„Wenn einer der Hauptlieferanten zahlungsunfähig wird und somit als Partner wegfällt, kann das ein Unternehmen in ernste Bedrängnis bringen. Daher haben bereits 45 Prozent der Befragungsteilnehmer ihre Hauptlieferanten finanziell unterstützt“, verrät D’heur. Zudem sei es gerade jetzt besonders wichtig, Ausfallsrisiken zu analysieren und gefährdete Lieferanten schon im Vorfeld zu identifizieren. Komplexe Supply Chain-Strukturen bergen nach Ansicht der Unternehmen hohes Gefahrenpotenzial, weswegen oft eine Komplexitätsreduktion – etwa durch Ausdünnung der Fertigungsvarianten – angestrebt wird. „Auf der Suche nach neuen Möglichkeiten, Margen zu generieren, gehen viele Unternehmen weg vom reinen Produkt und hin zur umfassenderen Dienstleistung und Servicepaketen“, ortet D’heur einen Trend.

Großer Nachholbedarf
„In vielen Bereichen sind die Bewertungsmechanismen noch völlig unzureichend“, kritisiert D’heur. Viele Unternehmen hätten daher zu spät oder noch gar nicht damit begonnen, Ausfallrisiken zu bewerten und seien dadurch schlecht oder kaum für den Ernstfall gewappnet. „Am besten und nachhaltigsten ist es nach wie vor, Modelle zu finden, wo man gemeinsam mit den Lieferanten gewinnt“, ist D’heur überzeugt.

Quelle: Logistik express Ausgabe Nr.3|2009