Das Sommerloch ist beendet, unzählige Veranstaltungen fordern dazu auf, sich wieder auf das Geschäft zu konzentrieren und Farbe zu bekennen. Der Endspurt des Jahres 2009 beginnt, wer sich jetzt nicht auf 2010 vorbereitet, hat schon fast verloren.

Die Tage werden wieder merklich kürzer (und kühler), die Nächte dafür aber praktischerweise länger. Denn bei vielen Veranstaltungen hat man das Gefühl, dem abendlichen Beisammensein und Netzwerken nach dem offiziellem Ende wird bereits mehr Bedeutung zugemessen als dem eigentlichen Hauptact, Einladungen zu den Abschlussfeiern der „Großen“ der Branche sind heiß begehrt und fast eine kleine Auszeichnung – man gehört dazu! Der Grund dafür ist leicht gefunden, und auch wenn er manch modernem, technologieaffinem Menschen nicht gefallen wird, leicht erklärt: die persönliche Beziehung zählt in Zeiten, wo wirtschaftliche Umbrüche das Tagesgeschehen dominieren, Firmenpleiten fast schon zur Regel statt zur Ausnahme zählen, mehr als je zuvor. Denn wer eine gute, emotionale Bindung zu einem Geschäftspartner aufbaut, läuft weniger Gefahr, von einem plötzlichen Ruin, Ausfällen oder anderen Problemen überrascht zu werden, als jemand, der seine Geschäfte auf Emailverkehr und anderer nonverbaler Kommunikation aufbaut. Wie sagte so schön der deutsche Lyriker Eugen Roth? „Ein Mensch erlebt den krassen Fall, es menschelt deutlich – überall. Doch oft erkennt man weit und breit nicht eine Spur von Menschlichkeit.“  Damit trifft er – im positiven wie im negativen Sinne – voll ins Schwarze.

(Da) sein oder nicht (da) sein?
Den Veranstaltungen selbst sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen, und die Gespräche der letzen Zeit zeigen mir, dass ich damit nicht alleine dastehe. Sich als Unternehmen auf einer Messe oder einem Kongress zu präsentieren, hat immer auch etwas mit „Flagge zeigen“ zu tun: Wie groß ist mein Stand?  (= wie viel kann/will ich mir leisten?) Wie viele Mitarbeiter habe ich auf der Messe? (= hab ich so wenig zu tun, dass ich alle entbehren kann? Oder doch nur ein paar?) Wie ist mein Stand dekoriert? (=habe ich noch jemanden, der das macht, oder wurde die Marketingabteilung bereits eingespart?). Mit einem Messestand steht man auf dem Präsentierteller, beäugt vom Mitbewerb und von Kunden gleichermaßen. Nur wenige haben den Mut, sich einer großen Messe, die sie immer besuchten, zu entziehen und auf den Stand zu verzichten, obwohl es ihnen vielleicht wirklich nicht in den Kram passt – aus welchen Gründen auch immer. Man darf nicht vergessen, welch immenser Aufwand hinter der Planung und Vorbereitung eines solchen Messeauftrittes steht. Durch Abwesenheit glänzen sorgt mit Sicherheit für Gerede. Aber hat eine Messe in der heutigen Form tatsächlich noch eine Berechtigung? Viele sagen, dies wäre die ideale Gelegenheit, Produkte verschiedenster Anbieter auf einem Fleck zu sehen – und das ist auch das einzige (wenn auch gewichtige) Argument für Messen, das ich gelten lasse. Denn das Geschäft lebt vom Zwiegespräch, und das ist in der Hektik oft nur schwer möglich. Der weitaus wichtigere Aspekt jedoch, die Vernetzung, das Knüpfen neuer Kontakte und endlich persönlich Gegenüberstehen von Geschäftspartnern, die sich vielleicht bislang nur vom Telefon her kannten, wäre wohl mit wesentlich weniger Aufwand in Form eines großen Kaffekränzchens zu lösen.

Weise Voraussicht
Obzwar das Jahr noch nicht um ist und wohl noch ebenso viele Entscheidungen wie Arbeitstage vor uns liegen, muss spätestens jetzt mit der Planung für das nächste Jahr begonnen werden. Das kann zum einen den Besuch von Veranstaltungen betreffen, zum anderen aber auch die generelle Einteilung, etwa des Marketing- und Weiterbildungsbudgets. Marketingausgaben sind stets eine heikle Angelegenheit, die Wirtschaftskrise macht diese Situation logischerweise nicht besser. Wo, wenn nicht bei Marketing und Ausbildung, kann man leicht einsparen? Doch wer so denkt, denkt zu kurz! Natürlich, wenn ich nicht weiß, wie ich die Butter auf meinem Brot finanzieren soll, gebe ich kein Geld für Accessoires aus, aber bevor ich mir einen Räucherspeck fürs nächste Jahr in die Vorratskammer hänge, kaufe ich mir doch lieber die neuen Schuhe, die dann alle an mir bewundern können. Marketingaktivitäten sind im Prinzip nichts anderes als tolle Schuhe, die man zu besonderen Anlässen trägt, die dann funkeln und glänzen und Eindruck hinterlassen. Möchten Sie lieber barfuß gehen? Jeder muss mit seinen Ressourcen vorsichtig haushalten, und Geld ist oft die wichtigste Ressource schlechthin. Aber sich tot zu stellen und sämtliche Marketingausgaben einzufrieren, wird einem spätestens dann auf den Kopf fallen, wenn die Wirtschaft wieder anzieht und keiner sich mehr an einen erinnert, weil die anderen präsent waren und sich damit die Marktanteile unter den Nagel reißen konnten.

Human Capital
Viele können es schon nicht mehr hören, aber man kann es nicht oft genug sagen: Menschen sind die Säule und Seele eines Unternehmens, nur gut ausgebildetes Personal bringt einen an die Spitze. Ich weiß, ich arbeite in einer Branche, in der das Ausreizen jeglicher Prozessoptimierung im Trend liegt, um Kosten zu reduzieren, aber manchmal stimmt es mich einfach traurig, wenn mit aller Kraft versucht wird, den Personalstand von drei noch auf zwei Mitarbeiter zu verkleinern. Abgesehen davon, dass Menschen, die in ständiger Angst vor Jobverlust leben, nicht unbedingt motivierter sind, gräbt sich ein Unternehmen so auch langfristig die Kundenbasis ab – die Kaufkraft von Arbeitslosen hält sich wahrlich in Grenzen, und im Endeffekt produziert jeder für einen Verbraucher. Des Weiteren kommt im Endeffekt der Steuerzahler dafür auf, Steuersenkungen sind angesichts der steigenden Sozialaufwendungen in weite Ferne gerückt. Wer jedoch in die Zukunft investieren möchte, sollte seinem Personal Aufstiegschancen und Weiterbildungsmöglichkeiten liefern, ich möchte wetten, durch die damit verbundene Effizienzsteigerung kommt unterm Strich fast dasselbe heraus. Und sei es auch „nur“ durch mehr Innovationen, bessere Ideen oder ein angenehmeres Arbeitsklima. Der Herbst hält nämlich neben den zahlreichen Messen auch Workshops, Seminare, Lehrgänge und andere Fortbildungsangebote parat, mehr darüber lesen Sie auf den kommenden Seiten.

Quelle: Logistik express Ausgabe Nr.3|2009