Die Intention zur Einführung dieses neuen Lehrberufes waren vielfältig. Die Digitalisierung wird als einer der bedeutsamsten Faktoren für das Wirtschaftswachstum in Österreich angesehen. E-Commerce, als Teil der Digitalisierung der Wirtschaft, ergänzt den Stationären Handel und verändert als weiterer Vertriebsweg den Versandhandel.

Beitrag: Ernst Steininger.

Der e-Commerce-Bereich wächst weiterhin dynamisch und stellt den Wachstumsmotor des Einzelhandels dar. Auch 2019 entwickelte sich der österreichische Internethandel, analog zu den Vorjahren, deutlich dynamischer als der stationäre Einzelhandel. Nach einem nominellen Umsatzplus von + 4 % im Jahr 2018 erzielt der heimische Einzelhandel im Jahr 2019 ein Online-Wachstum von nominelle +6 %. In Summe ist der Brutto-Jahresumsatz 2019 im österreichischen Internet-Einzelhandel auf rund € 3,5 Mrd (inkl. USt) angestiegen und erreicht damit 4,6 % des gesamten Einzelhandelsvolumens in Österreich. Um in diesem immer digitaler werdenden Umfeld wirksam zu agieren, benötigen die Unternehmen im Handel fundiert ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.

E-Commerce-Kaufleute sind für die Betreuung von Online-Shops bzw. Internetverkaufsplattformen zuständig. Sie nehmen die Online-Bestellungen der Kundinnen und Kunden auf und sorgen für die vorständige und zeitgerechte Auslieferung der bestellten Waren. Sie arbeiten in enger Abstimmung mit Kolleginnen und Kollegen aus dem IT-Bereich sowie mit aus den Marketing und dem Vertrieb. Der dreijährige Lehrberuf verbindet Medienkompetenz mit analytischen Fähigkeiten und Selbstorganisation. Das Jobprofil setzt sich zusammen aus einer kaufmännischen Ausbildung mit Fokus auf Shop-Betreuung, Online-Marketing, Content-Erstellung und Social Media. E-Commerce-Kaufleuten stehen nach Ihrer Ausbildung vielfältige Einsatzfelder offen, vom Webshopbetreuer, Webshopmanager, Webshopadministrator über den E-Commercemanager oder E-Business-Manager bis zum Webshop Content Manager oder Web Shop Sales Consultant.

Als Eingangsqualifikation sind grundlegendes technisches Verständnis, Kenntnisse der MS Office Anwendungen, idealerweise auch Kenntnisse zu Bildbearbeitungsprogrammen sowie Interesse an E-Commerce und Social Media von Vorteil. Vorausgesetzt werden Eigenmotivation, vernetztes Denken, Zuverlässigkeit und Teamfähigkeit. Zur Unterstützung der neuen Ausbildung wird eine kostenlose Schulungssoftware zur Verfügung gestellt. Mit Hilfe dieser kann die zukünftige Arbeit eines E-Commerce-Experten simuliert werden und der Lehrling erlernt in Übungen und Musterbeispielen die Arbeit mit digitalen Webshops. Diese Software wird sowohl in den Berufsschulen als auch bei der Lehrabschlussprüfung eingesetzt. Jeder Schüler erhält über die Berechtigung des Lehrers einen eigenen Zugang zur Software.

Zur Unterstützung der Lehrbetriebe wird ebenfalls kostenlos, Ausbildungsleitfaden E-Commerde-Kaufmann/-frau angeboten. Der Leitfaden bietet praktische Tipps und Best Practice Beispiel um komplexe Lerninhalte leichter zu vermitteln. Das neue Angebot richtet sich an Ausbildungsbetriebe im Einzel- und im Großhandel, aber auch in anderen Branchen, welche Online-Shops betreiben. Die Mindestvoraussetzungen für die Durchführung der Ausbildung sind ein PC mit Internetzugang, eine Grafiksoftware und ein Shopsystem.

Verordnet wurde der Lehrberuf im Juni 2018 durch die BM Margarete Schramböck. Im ersten Jahr war dies für den Beginn von neuen Lehrverhältnissen zeitlich etwas knapp. Trotzdem war das Interesse bereits sehr groß. Im Herbst 2018 haben 65 Lehrlinge mit der neuen Lehrberuf gestartet, aktuell befinden sich bereits mehr als 130 Lehrlinge in Ausbildung, Tendenz, entsprechend dem Bedarf in der Wirtschaft, stark steigend. (RED)

 

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