Eine Plattformhaftung für Produktfälschungen stellt in den USA den Amazon Marketplace vor große Herausforderungen. Präsident Donald Trump setzt um, was der österreichische Handelsverband für Europa seit langem fordert. Wann handelt die EU, um digitale Fairness herzustellen?

Beitrag: Gerald Kühberger.

Schlechte Nachrichten für Jeffrey Bezos – gute Nachrichten für Fair-Commerce. Die Trump-Administration hat Ende Jänner neue Regeln zur Bekämpfung von Fake-Produkten im eCommerce präsentiert. Die neuen Richtlinien, die vom Department of Homeland Security (DHS) veröffentlicht wurden, sehen künftig eine Plattformhaftung für Produktfälschungen vor.

Weltweiter Umsatz mit Produktfälschungen wächst jährlich um 15%.
Der Hintergrund: Jahr für Jahr wächst das weltweite Geschäft mit Fake-Produkten um rund 15%, heuer soll erstmals die Marke von 1,8 Billionen US-Dollar überschritten werden. Mehr als ein Viertel davon entfällt laut Global Brand Counterfeiting Report auf den eCommerce. Das neue US Rahmenprogramm für Zoll- und Grenzschutz verlagert nun die Verantwortung für derartige Produktfälschungen auf Plattform-Betreiber wie Amazon. Damit sollen künftig in den USA Lager und Fulfillment-Zentren rechtlich und finanziell für die Schäden durch Produktpiraterie haften.

Digitalisierung durch Chancengleichheit für den österreichischen Handel voranbringen Das ist ein richtungsweisender Weg für FairPlay im eCommerce. Die USA setzen damit um, was der österreichische Handelsverband für Europa schon seit Jahren fordert – eine Plattformhaftung für Produktfälschungen. Nur durch digitale Fairness sind Innovationen leistbar und Internationalisierungsschritte in der Europäischen Union möglich. Die neuen Vorschriften bedeuten jedenfalls eine strengere Durchsetzung der amerikanischen Einfuhrgesetze.

Plattformen wie Amazon sollen in Zukunft auch selbstständig die Vernichtung von Schmuggelware durchführen, die nicht vom US-Zoll beschlagnahmt wurde. Darüber hin-aus müssen die eCommerce-Marktplätze den Behörden umfangreiche Daten über ihre Drittanbieter zur weiteren Überprüfung bereitstellen. Laut Donald Trump sollen die neuen Regeln nicht nur das geistige Eigentum der USA schützen, sondern auch die öffentliche Sicherheit gewährleisten, die durch gefälschte Waren bedroht werde.

Der Handelsverband hatte Amazon & Co zuletzt im Dezember 2019 zu mehr Aktivität gegen die asiatische Plagiatsindustrie aufgerufen. Immerhin stammt bereits jeder  dritte Top-Seller auf dem Amazon Marktplatz aus China. Daher muss die Nutzung bestehender technologischer Möglichkeiten der Fake Prevention ebenso eingefordert werden wie ein proaktives Screening insbesondere bei marktdominanten Plattformen.

Betrugsbekämpfung als Beitrag für GreenCommerce.
Überdies leistet eine effektive Betrugsbekämpfung auch einen wertvollen Beitrag für mehr Nachhaltigkeit im Handel, da damit der Verkauf minderwertiger oder gefährlicher Fake-Produkte in Europa unterbunden werden kann. Die Flut an Plagiaten auf dem umsatzstärksten Marktplatz des Landes bringt große Herausforderungen mit sich. Der Zoll erzielt bereits Erfolge durch Schwerpunktkontrollen, es braucht aber ein entschlossenes Vorgehen der Politik, um die Musterbeispiele anderer Länder in Gesetze zu gießen. Alle wollen nachhaltiger leben, daher muss Österreich die offenen Scheunentore schließen, die durch minderwertige Kunststoffe befüllt werden, die davor quer um den Planeten reisen.

Das ist die Basis für GreenCommerce, aber auch für FairCommerce, um in Zeiten der Plattformökonomie die Potentiale heimischer Qualitätsanbieter für den internationalen Handel zu fördern. (GK)

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