Ein großer Kostenpunkt in Bilanzen sind zumeist Aufwendungen für das Wärmen oder Kühlen von Gebäuden sowie Energie im Allgemeinen. Durch kluge Bauweise und teilweise einfache Tricks kann der Energieverbrauch gesenkt und damit der Umwelt und der Bilanz gleichermaßen geholfen werden.

Egal ob Lagerflächen oder Bürogebäude, die jeweils ideale Raumtemperatur zu erreichen ist meist nur mit hohem technischem Aufwand möglich – und dafür braucht man für gewöhnlich Strom. Wer jedoch schon bei der Planung und Realisierung einer neuen Anlage auf ein paar Punkte achtet, kann die zukünftigen Betriebskosten erheblich verringern. Doch auch bei bereits bestehenden Gebäuden kann nachträglich Vieles optimiert werden. Denn immerhin fallen rund 40 Prozent des Endenergieverbrauchs in Europa in Gebäuden an.

Auf der grünen Wiese
Wer die Möglichkeit hat, ein Gebäude nach eigenen Vorgaben völlig neu zu errichten, hat noch alle Trümpfe in der Hand. „Alleine durch das Orientieren an der Himmelsrichtung kann man schon viel bewirken, Glasflächen bei Bürogebäuden beispielsweise sollen so angelegt sein, dass eine gute Mischung aus Heizen und Kühlen entsteht, gegen übermäßige Sonneneinstrahlung hilft eine Verschattungseinrichtung wie etwa Lamellen“, erklärt DI (FH) Nicole Hartl, Expertin für nachhaltiges Kühlen bei der Österreichischen Energieagentur. Doch auch die Wahl des geeigneten Baumaterials spiele eine entscheidende Rolle. Hartl: „Beton speichert beispielsweise tagsüber mehr Wärme als Gipskarton und gibt diese nachts wieder ab. Generell muss man versuchen, das Eindringen überschüssiger Wärme zu vermeiden und gleichzeitig die eindringende Wärme aufzufangen.“

Kombinierend könne man in Fensterüberhänge zur Beschattung Photovoltaikanlagen einbauen, um zwei Fliegen mit einer Klappe zu schlagen. Wichtig sei in jedem Fall, auf ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Glasflächen und Wand sowie auf die Wahl des Glases selbst zu achten, erklärt Ing. Philipp Reichel, Experte für Gebäudetechnik bei der Österreichischen Energieagentur. Hartl: „Man muss nicht nur bedenken, dass im Sommer durch Fenster Wärme eindringt, vielmehr geht auch im Winter ebensolche verloren.“ Durch die richtige Wärmedämmung verhindere man, dass Solarerträge ins Haus kämen. Als besonders nützliches Tool hat sich die „thermische Gebäudesimulation“ erwiesen, die Reichel auch jedem ans Herz legt: „So kann man bereits in der Planungsphase eventuelle Schwachstellen auffinden und ausmerzen.“

Wärme im Büro
„Bürogebäude unterscheiden sich vor allem dadurch von normalen Wohngebäuden, dass vermehrt Geräte zum Einsatz kommen, die eine starke Wärmeentwicklung haben“, denkt Reichel vor allem an Computer, Server und große Kopiermaschinen. Es sei sinnvoll, diese Geräte wenn möglich in einem Raum zu sammeln und dann zentral wegzukühlen. „Keinesfalls sollten sich diese Geräte in der Nähe der Aufenthaltsräume befinden, da dies den Aufwand für das Erreichen der menschlichen Wohlfühltemperatur erhöht“, ergänzt er. Doch auch die Auswahl der Geräte spiele eine entscheidende Rolle: „Natürlich gibt nicht jedes Gerät gleich viel Wärme ab, sparsamen Maschinen ist in jedem Fall der Vorzug zu geben. Eventuelle Mehrkosten bei der Anschaffung werden oft schon nach kurzer Zeit durch die Betriebskosteneinsparung ausgeglichen“, weiß Reichel. „Auch die Beleuchtung sollte energieeffizient gewählt werden, da weniger Wärmeentwicklung sich automatisch positiv auf den Kühlungsbedarf auswirkt“, fügt Hartl hinzu.

Herausforderung Kühllager
„Kühlläger, insbesondere Tiefkühlläger, brauchen natürlich das ganze Jahr über die gleiche niedrige Temperatur. Im Winter wäre ein Ansatz, über die Außentemperatur zu kühlen, da in unseren Breiten das Klima dafür geeignet ist. Eine gute Möglichkeit ist auch ein Wärmeaustauscher, der in den meisten Fällen auch nachträglich bei bestehenden Anlagen realisierbar ist“, erzählt Reichel. Seiner Meinung nach kann alleine durch die richtige Mitarbeiterschulung bereits viel Energie eingespart werden: „Wenn bei der täglichen Manipulation darauf geachtet wird, die Aufenthalte im Kühlbereich möglichst kurz zu halten und die Türen in den Schleusen immer sofort zu schließen, zeigen unsere Erfahrungen ein deutliches Sinken des Energieaufwandes – vorausgesetzt, die Nutzermotivation stimmt.“

Der Energieausweis
Seit Inkrafttreten der EU-Gebäuderichtlinie (EU-RL 2002/91/EG) ist die Erstellung eines Energieausweises nach OIB Richtlinie 6 (OIB, Österreichisches Institut für Bautechnik, Anm.) bereits bei der Baueinreichung zwingend vorgesehen. Dies gilt auch bei bestehenden Gebäuden über 1.000 m2 Nutzfläche, wenn sie saniert werden oder ein Zubau erfolgt. Der Energieausweis beschreibt die thermische Qualität von Gebäuden, wobei zur Klassifizierung dieser thermischen Qualität der Heizwärmebedarf herangezogen wird. Dieser inkludiert sowohl Wärmeverluste durch Transmission – beispielsweise durch Wärmeabgabe über Außenwände – und durch das Lüften, als auch Wärmegewinne durch Maschinen und die Sonneneinstrahlung.

Es gibt zwei Formen: den Verbrauchsausweis, der auf dem Endenergiewert basiert, und den Bedarfsausweis, der die Primärenergie (bei der Primärenergie wird neben der Endenergie auch die sogenannte Vorkette, bestehend aus Erkundung, Gewinnung, Verteilung und Umwandlung einbezogen, Anm.) angibt. Bei Nicht-Wohngebäuden (Lager, Bürogebäude) werden neben der Gebäudehülle auch noch die Raumwärmeversorgung, die Warmwasserversorgung, die Raumlufttechnik, die Kühlung und die Beleuchtung des Gebäudes bei der Berechnung berücksichtigt. Beide Ausweise gelten für jeweils 10 Jahre ab Ausstellung. Wenn man einen Energieausweis erstellen lassen will, sollte man stets mehrere Angebote einholen, da die Preise ziemlich differieren. Als Richtwert für Neubauten gelten EUR 1/m². Bei Bestandsgebäuden sind zudem Empfehlungen für wirtschaftlich sinnvolle Sanierungsmaßnahmen im Rahmen des Energieausweises gesetzlich zwingend vorgeschrieben.

Förderungen
Die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden ist einer der Punkte zur Erreichung der Kyotoziele. Daher gibt es unterschiedliche Fördermittel, die vor allem bei der Sanierung von Bestandsgebäuden in Anspruch genommen werden können. Eine Förderschiene für gewerbliche Gebäude ist die „Umweltförderung im Inland“ des Bundes, die von der Kommunalkredit Public Consulting gemanagt wird und sich in verschiedene Bereiche gliedert. Besonders erwähnenswert sind die Förderung für Wärmepumpen ab 100 kW elektrischer Leistung und Wärmepumpen zur Raumkühlung, die für thermische Gebäudesanierung sowie jene für Solaranlagen. Moderne Wärmepumpenanlagen zur Heizung und Warmwasserbereitung sowie zur Raumkühlung unterliegen – im Gegensatz zu nicht förderfähigen Wärmeverteilanlagen wie Fußbodenheizungen – dem Standardfördersatz von max. 30 Prozent der gesamten umweltrelevanten Investitionskosten bei „de-minimis“-Projekten sowie bei max. 40 Prozent der umweltrelevanten Mehrinvestitionskosten bei Projekten, die über „de-minimis“ hinausgehen („de-minimis“-Förderungen gehen bis zu einem Gesamtausmaß von EUR 200.000,- binnen drei Steuerjahren, Anm.).

Bei gewerblich genutzten Gebäuden, sowohl im Produktions- als auch im Dienstleistungsbereich, ergeben sich erhebliche CO2-Einsparungspotenziale im Rahmen der thermischen Gebäudesanierung. Förderwürdig sind die Dämmung der obersten Geschoßdecken bzw. des Daches, der Außenwände, der untersten Geschoßdecke bzw. des Kellerbodens, die Sanierung bzw. der Austausch der Fenster und Außentüren, der Einbau von Wärmerückgewinnungsanlagen bei Lüftungssystemen im Zuge der thermischen Sanierung des Gebäudes sowie Verschattungssysteme. Bei der „de-minimis“-Förderung sind die gesamten umweltrelevanten Investitionskosten die Basis, darüber hinaus die umweltrelevanten Mehrinvestitionskosten. Die erzielte Sanierungsqualität bzw. das Ausmaß der Unterschreitung der Anforderungen für den Heizwärme- und Kühlbedarf gemäß OIB-Richtlinie sind ausschlaggebend für den Förderungssatz. Voraussetzung für die Förderung sind zudem die Einreichung des Ansuchens vor Baubeginn, eine Mindestinvestitionssumme von EUR 35.000,- sowie das Alter des zu sanierenden Gebäudes, es muss vor dem 1. Jänner 1990 errichtet worden sein.

Fossile durch erneuerbare Energieträger zu ersetzen, ist ein weiteres Hauptziel der EU. Eine gute Möglichkeit hierfür bietet der Einsatz thermischer Solaranlagen für Warmwasserbereitung und Raumheizung. Gefördert werden Solaranlagen zur Warmwasserbereitung oder zur teilsolaren Raumheizung inklusive Verrohrung und Wärmespeicher, solare Großanlagen, sowie Solaranlagen für Kühlzwecke. Bei der „de-minimis“-Förderung zählen die gesamten umweltrelevanten Investitionskosten, wovon max. 30 Prozent gefördert werden. Darüber hinaus zählen wiederum die umweltrelevanten Mehrinvestitionskosten, die zu maximal 40 Prozent gefördert werden. Erstere sind bei Standardkollektoren mit EUR 675,-/m², bei Vakuumkollektoren mit EUR 1.000,-/m² begrenzt, es sei denn, es handelt sich um Solaranlagen für Kühlzwecke. Für die Förderwürdigkeit ist eine Mindestinvestitionssumme von EUR 10.000,- erforderlich.

Quelle: Logistik express Ausgabe Nr.3|2009