Max Schachinger jun. ist die Umwelt und Nachhaltigkeit im Unternehmertum ein großes Anliegen. Obwohl er im Familienunternehmen schon viel umgesetzt hat, sieht er noch jede Menge gestalterische Möglichkeiten, um negative Auswirkungen der Wirtschaft auf die Umwelt zu reduzieren und gleichzeitig ökonomischen Erfolg zu haben.

Zu meinem Bedauern musste ich in den letzten zehn Jahren mit ansehen, wie die Menschen mehr und mehr Ressourcen aus der Natur entnehmen und trotz ständig besserer Alternativen den Mineralölfirmen zu immer mehr Gewinn verhelfen – klingt Max Schachinger jun., Spartengeschäftsführer und Verantwortlicher für Unternehmens-entwicklung der Schachinger Logistik Holding GmbH, enttäuscht. „Warum setzen die Unternehmen und auch Privatpersonen nicht auf Biodiesel, und lassen damit auch die Wertschöpfung im Land?“ fragt er sich und ortet gleichzeitig Barrieren im Kopf der Menschen, die lieber bei Gewohntem – in diesem Falle herkömmlichen Treibstoffen aus Mineralöl – bleiben und sich in ihren altbewährten Mustern wohlfühlen, anstatt aktiv zu werden und Innovationen zu begrüßen.

Umstellung auf Biodiesel
Vor etwa vier Jahren sei der Damm gebrochen, und das Thema Umweltschutz habe sich auch in der öffentlichen Wahrnehmung durchgesetzt. „Mit dem Preis für Mineralöle ist auch die Sensibilität gestiegen, und man hat erkannt, dass schon längst und ohne ehrkosten die Umstellung möglich gewesen wäre“, so Schachinger. Auf sein Betreiben hin wurde dann ein großer Teil der LKW auf Biodiesel umgestellt, bis zu 120 der 150 Fahrzeuge wurden zu Spitzenzeiten mit dem umweltfreundlicheren Treibstoff betrieben. Natürlich müsse dabei einiges bedacht werden: „Man braucht neue Treibstoffbezugsquellen, die Serviceintervalle und die Wartung ändern sich, das Qualitätsmanagement muss angepasst werden, es gibt viele Details zu beachten“, klärt Schachinger auf. Nach der ersten Euphorie kam der erste Winter, und Engpässe sowie Preissteigerungen zwangen zur abermaligen Umstellung eines Teils der Flotte. „Zwischenzeitig ist der Biodiesel aber wieder günstiger geworden. Für mich überwiegen klar die Vorteile, da wir in der Region einkaufen und somit auch den heimischen Markt stärken“, versichert Schachinger. Bei der Beschaffung würde größter Wert auf Herkunft und Qualität gelegt: „Wir kaufen ausschließlich Biodiesel aus Altspeisefetten und Raps aus Gegenden, wo auf Gentechnik verzichtet wird und nachweislich keine Sojaanteile enthalten sind.“

Positive Umweltbilanz
„Beim Mineraldiesel hat noch nie jemand eine Ökobilanz erstellt, der Biodiesel wird jedoch von allen Seiten durchleuchtet“, bekrittelt Schachinger. Dabei würde ein wichtiger Aspekt völlig außer Acht gelassen: „Die Reste bei der Biodieselerzeugung fließen als Eiweißfuttermittel in die Landwirtschaft ein, wodurch auf Soja verzichtet werden kann. Wenn man dies mit einrechnet, kommt man auf 30 bis 70 Prozent CO2-Einsparung im Vergleich zu Normaldiesel, da ist der Mehrverbrauch von drei bis neun Prozent bereits berücksichtigt. Jedes Unternehmen kann mit diesem einen Hebel sofort die eigene Klimabilanz erheblich verbessern“, ist er überzeugt. Noch besser sei aber die Umstellung auf den Betrieb mit Pflanzenöl, da hier auch der Mehrverbrauch wegfalle. Seit 2008 betreibt die Firma Schachinger eine eigene Biodiesel- und Pflanzenölanlage. „Es gibt hier sehr viele staatliche Fördermöglichkeiten, die kann ich nur jedem ans Herz legen“, meint Schachinger.

Sorgenkind Verkehr
„Ich selbst betreibe meinen VW-Bus mit Biodiesel, aber generell zahlt sich die Umstellung bei PKW kaum aus, da sich das Vorhaben durch unterschiedliche Herstellervorgaben schwierig gestaltet“, gesteht Schachinger. Zudem wäre gesamtumweltpolitisch gesehen die Umstellung bei LKW viel effizienter: „Ein großer Sattelauflieger verbraucht – wenn man die durchschnittliche Kilometerleistung und das Gesamtgewicht mit einbezieht – jährlich etwa so viel Treibstoff wie 50 PKW. Steigere ich nun noch durch entsprechende Fahrerschulungen die Effizienz, habe ich schnell eine bessere Umweltbilanz.“ Die letzte Fahrerschulung bei Schachinger habe immerhin sieben Prozent weniger Treibstoffverbrauch je Fahrer zum Ergebnis gehabt. Im firmeneigenen PKW-Fuhrpark kämen nur PKW wie der VW Blue Motion und andere umweltschonende Fahrzeuge zum Einsatz, die zwingend mit einer Start-Stop-Automatik ausgestattet seien. „Ich habe die Liebe zur Natur zum Anlass genommen, mir die Thematik genauer anzusehen, aber auch aus rein betriebswirtschaftlichen Gründen lohnt es sich, diese Dinge genauer zu betrachten“, ist Schachinger sicher.

Geeignete Maßnahmen
„Nichts hilft schneller, die Ökobilanz des Unternehmens zu verbessern, als der Wechsel zu Ökostrom“, meint Schachinger. Des Weiteren empfiehlt er jedem, die Gebäude unter die Lupe zu nehmen: „Durch Wärmedämmung kann man sehr viel Energie einsparen, wir haben extra einen Energieberater engagiert. Generell gibt es auf dem Bausektor schon sehr viele Möglichkeiten, wie die Umrüstung auf Passivbauweise. Leider ist bei unserem Zentrum in Stockerau die Nutzung von Erdwärme aufgrund der Überflutungsgefahr nicht möglich, dafür nutzen wir für unsere großen Kühlhallen das Prinzip des ‚Free Cooling‘, und konnten dadurch den Energieverbrauch erheblich senken.“ Aus allen bislang getätigten Einzelmaßnahmen plant Max Schachinger, im nächsten Jahr ein Gesamtkonzept zu erstellen und daraus einen konkreten, vergleichbaren Wert zu erhalten. „Am Logistiksektor gibt es in Österreich derzeit noch wenige mit einem ganzheitlichen Konzept, dabei sehen wir, dass auch kundenseitig das Interesse stets wächst. Namhafte Unternehmen wie beispielsweise Otto, Tschibo und Nestlé übernehmen ökologische Themen und Nachhaltigkeit bereits in ihre Ausschreibungen“, freut sich Schachinger.

Quelle: Logistik Express Ausgabe 2 | 2009