Der Onlinehandel boomt unbestritten. Als Paketversanddienstleister Nr. 1 in Österreich bietet die Post eine umfangreiche Servicepalette fürs E-Commerce-Business. Um an der Spitze zu bleiben, ist Automation das Zauberwort. Logistik express im Gespräch mit Wolfgang Einer, Executive Vice President, Österreichische Post AG.

Beitrag: Angelika Gabor.

Die Volatilität bei der Nachfrage bedingt flexible, skalierbare Intralogistiksysteme. Welche Lösung ist hier die beste?
Es gibt keine one-fits-all-Lösung. Wir haben uns für eine AutoStore-Anlage entschieden, ein automatisiertes Lager- und Kommissionierungssystem. Denn selbst im Drei-Schicht-Betrieb konnten wir die Mengen manuell nicht mehr bewältigen. Derzeit wird in Enzersdorf an der Fischa die mehr als 800 m² große Anlage aufgebaut, kommendes Jahr soll sie in Betrieb gehen. Mit dieser modularen Gesamtlösung – der größten Investition in der Geschichte der Post Systemlogistik – sind wir für die Zukunft gerüstet und können die gesamte Kette für den e-Commerce in der DACH-Region anbieten.

Wie hat sich die Pandemie ausgewirkt?
Covid hat definitiv das Mengenwachstum beschleunigt, und das Onlinehandelsvolumen wird auch nicht mehr auf das Vor-Pandemieniveau zurückgehen. Wir haben 2-3 Jahre in der Entwicklung übersprungen.

Welche ist die beste Herangehensweise zur Automatisierung eines Logistikstandortes?
Wir haben den Markt ausgiebig sondiert und aus der Fülle der Anbieter auf ein paar für uns passende eingegrenzt. Früher war es leicht, gab es vor 20 Jahren ein neues System am Markt, dann war das die fixe Lösung für alle für die nächsten 15 Jahre. Aber heute sind Angebot und Auswahl schier unendlich. Die Herausforderung ist es, ein System zu finden, das einen auch in Zukunft nicht limitiert.

In welchen Bereichen gibt es noch das meiste Optimierungspotential?
Österreich ist in der Entwicklung leider noch etwas hinten, wir müssen einen Schritt zurückgehen, um die Schwachstellen zu sehen: wir müssen etwa genau überlegen, wie das Order-Management im jeweiligen Betrieb funktioniert. Die technische und physische Logistik entscheiden über Erfolg oder Misserfolg eines Shops. Hier ist es nötig, sich die Zeit zu nehmen und wirklich zu analysieren. Denn eine Homepage mit Versand allein macht noch lange keinen erfolgreichen Webshop. Der Kunde möchte die Ware zu einem bestimmten Zeitpunkt an einem bestimmten Ort erhalten, und die Automatisierung hilft uns dabei.

Welche Branchen sind Ihrer Meinung nach die Automatisierungskaiser, und warum?
Unternehmen mit kleinteiligem Sortiment haben es naturgemäß immer leichter, Branchen wie etwa die Pharmaindustrie. Auch hängend transportierte Kleidung war ein Renner, geht jetzt aber zurück. Sperrige Artikel hingegen lassen sich kaum automatisieren, die erforderlichen Geräte wären zu schwer und zu groß. Keiner wird beispielsweise Fitnessgeräte automatisiert kommissionieren. Automatisierungslösungen helfen dabei, eine bestimmte Performance zu schaffen. Gleichzeitig werden Logistikflächen rarer. Jeder Kunde möchte möglichst schnell seine Ware, aber keiner möchte den dazugehörigen LKW sehen.

Stichwort Retourenhandling: wie sehen Ihre cleversten Lösungen für die unterschiedlichen Branchen aus? (Vorteile/Nachteile)
Wir von der Post sind davon überzeugt, dass sich die Retourenabwicklung in einer Transformation befindet. Früher konnte man Waren immer kostenlos zurückschicken, aber hier findet ein Umdenken statt – auch aus Gründen der Nachhaltigkeit. Es kam durchaus häufig vor, dass Kunden sich im Internet verschiedene Größen und Farben eines Modells bestellten, einen Artikel behielten und den Rest retournierten. Das hat sich in letzter Zeit geändert. Es ist ein politischer Konsens nötig, dass diese Bepreisung wichtig und richtig ist. Ich bin auch der Meinung, dass das System der Retourenabwicklung grundlegend geändert werden sollte. Ob Retouren zurück ins Versandlager gehen, oder in ein Extra-Lager, oder in eine Aufbereitung (beispielsweise waschen), oder gar in den stationären Handel. Im Idealfall ist kein weiter Transport nötig.

Gibt es eine Grenze für Automatisierung, die man nicht überschreiten sollte? (zB hinsichtlich der Komplexität)
Prinzipiell nein. Aber nicht jedes Produkt ist für eine Automatisierung geeignet. Trotzdem sind wir heute noch sehr weit von den Grenzen der Automatisierung entfernt.

Intralogistik im Jahr 2040: was erwartet uns? Was wird es Ihrer Meinung nach nicht mehr geben?
Solch eine Prognose ist unmöglich, dazu ist unsere Zeit viel zu schnelllebig. Jeder, der das behauptet, macht nur Schabernack. (AG)

Quelle: LOGISTIK express Journal 3/2022