Das Mobiltelefon ist aus der heutigen Zeit kaum noch wegzudenken. Über die finanziellen Geschicke des womöglich innovativsten Telekommunikationsanbieters Österreichs wacht eine, die sich in dieser Branche so richtig zu Hause fühlt: Sabine Hogl ist CFO bei Hutchison 3G Austria.

Sie sind Finanzvorstand bei Hutchison 3G Austria. Wie kam es dazu?

Ich bin seit nunmehr 13 Jahren in der Telekommunikationsbranche tätig, angefangen habe ich 1996 bei der AirPage Telekommunikation GmbH, einem echten Startup-Unternehmen. Etwa eineinhalb Jahre später wechselte ich in die Festnetzsparte, zur eTel Austria AG. Im Jahr 2004 schließlich suchte ich eine neue Herausforderung, in einem innovativen und jungen Unternehmen, und fand sie bei Drei.

Was ist an der Telekommunikationsbranche so faszinierend?

Als ich das erste Mal in die Branche hinein schnupperte, war ich besonders fasziniert von der Dynamik. Der ganze Markt ist ständig in Bewegung, Neuerungen passieren schneller als in anderen Branchen und es gilt, immer neue Herausforderungen zu meistern. Abgesehen davon war ich immer schon sehr technologieaffin, und das passt perfekt.

Drei ist Teil des riesigen Hutchison-Konzerns (Hutchison Whampoa Limited, Anm.), spürt man das?

Einmal pro Jahr findet in Hongkong im Mutterkonzern ein Family-Day statt, zudem Mitarbeiter aus der ganzen Welt eingeladen werden. Und das Beeindruckende ist, egal was man macht, fast alles hat mit dem Konzern zu tun! Man trinkt das Wasser von Hutchison, kauft bei der Einzelhandelssparte von Hutchison, bezieht den Strom von Hutchison, …. Das Unternehmen betreibt Häfen, Telefonnetze, hat sogar eigene Radio- und Fernsehsender. Beim Familientreffen kommen alle in einem großen Sportstadion in zur Verfügung gestellten Trainingsanzügen zusammen – jede Nation hat dabei eine eigene Farbe – und machen einen Tag lang gemeinsam Sport.

Die Veranstaltung hat eine gewisse Ähnlichkeit mit den olympischen Spielen, der Vorstandsvorsitzende, Sir Li Ka-shing, ist auch dabei und begrüßt alle. Dieser Tag gibt einem die Bestätigung, wie riesig dieses Unternehmen ist, und die gemeinsame Aktivität ist toll für die Mitarbeiterbindung. Als ich damals im Londoner Büro mein Vorstellungsgespräch hatte, begegnete mir in der Lobby ein älterer Mann, der mich freundlich begrüßte und fragte, ob er meinen Koffer für mich nach oben bringen solle. Erst im Nachhinein habe ich erfahren, dass es sich bei diesem Mann um Sir Li Ka-shing höchstpersönlich gehandelt hatte! Trotz allen Vermögens (Platz 16 der reichsten Leute der Welt lt. Forbes Magazin 2009, Anm.) ist er ein bescheidener Mensch geblieben.

Haben Sie ein Lebensmotto, oder einen Leitspruch, der Sie begleitet?

Motto im eigentlichen Sinn habe ich keines. Es ist einfach wichtig, Spaß an der Arbeit zu haben und täglich gerne ins Büro zu gehen. Für mich stand und steht immer die Zusammenarbeit mit den Mitarbeitern im Vordergrund. Mitarbeiter sind die Säulen des Unternehmens! Nur wer transparent und offen mit seinen Mitarbeitern kommuniziert und auch unpopuläre Entscheidungen ehrlich erklärt, erhält Top-Leistungen. Das ist uns bei 3 bewusst, und deshalb tun wir auch viel für unsere Belegschaft: Egal ob es sich um Teamevents oder Investitionen in die Aus- und Weiterbildung handelt.

Was machen Sie, wenn Sie gerade nicht arbeiten?

Das kommt sehr selten vor (lacht, Anm.). In meiner Freizeit relaxe ich gerne zu Hause oder verreise mit meiner Familie. Meine Kinder sind schon älter, da muss ich mir schon besondere Reiseziele einfallen lassen, um sie für einen  Familienurlaub zu begeistern. Wenn es sich ergibt, liebe ich es, zu tauchen. Durch Zufall kam ich bei einem Tauchgang in eine Schule Haie, das war ein überwältigendes Gefühl und äußerst beeindruckend, auch wenn ich weiß, dass die Gefahr in dieser Situation absolut gering ist, wenn man sich richtig verhält.

Wenn Sie plötzlich wieder 14 wären, welchen Weg würden Sie einschlagen?

Genau denselben! Bei mir hat sich Vieles durch Zufall ergeben, und sicher war auch Glück dabei. Ich habe mich immer treiben lassen, Hauptsache die jeweilige Arbeit hat Spaß gemacht. Am Anfang ist es wichtig, eine breite Ausbildung zu machen und sich viele unterschiedliche Fertigkeiten anzueignen, das Spezialisieren kommt später ganz automatisch dazu. Einem 14jährigen kann man nur schwer zu etwas raten, da nur die wenigsten ein offensichtlich stark ausgeprägtes Talent in eine Richtung haben und dementsprechend zielgerichtet vorgehen können. Die Meisten müssen nach und nach ihre Interessen entdecken. Wichtig ist es, das zu tun, wovon man begeistert ist, denn nur dann kann man damit Erfolge erzielen.

Viele kämpfen in der aktuellen Situation ums wirtschaftliche Überleben. Haben Sie vielleicht ein paar Tipps?

Das Wichtigste ist in diesem Fall, sich auf seine Stärken zu besinnen und diese noch zu verbessern. Wenn man fokussiert arbeitet, kann man auch diese Situation meistern.

Was macht den Menschen Sabine Hogl aus?

Ich glaube, meine herausragendsten Eigenschaften sind meine Konsequenz und meine Beharrlichkeit. Zudem suche ich immer die direkte Kommunikation, und das ist gleichzeitig auch ein Teil meines Erfolgsgeheimnisses. Egal wobei, ich versuche stets, direkt zum Punkt zu kommen.

Welche Zukunftspläne privat und beruflich verfolgen Sie?

Mein Plan ist, Drei dem Ziel „positives EBIT“ näher zu bringen und die Millionenmarke bei der Kundenanzahl zu knacken, was unmittelbar bevorsteht. Abgesehen davon nehme ich mir nicht viel vor, Vieles passiert einfach. Man muss den Alltag nehmen wie er kommt und entsprechend reagieren, nicht einfach stur an Zielen arbeiten. Mein größtes privates Ziel ist eine Reise nach Afrika. Das ist ein faszinierender Kontinent voller Gegensätze, mit reicher Natur und faszinierenden Menschen.

Leider hält sich die Anzahl der Frauen in Führungspositionen in Österreich nach wie vor in Grenzen. Wie sehen Sie das?

Im Vergleich zu anderen Unternehmen gibt es bei Hutchison sehr viele Frauen in Führungspositionen. Meiner Meinung nach haben sowohl Männer als auch Frauen gleich gute Eigenschaften. Ich bin dafür, Frauen zu fördern, aber besonders im Technikbereich ist es oft sehr schwierig, qualifizierte Frauen zu finden. Ein Unterschied mag sein, dass Frauen meist sehr teamorientiert sind und mit flachen hierarchischen Strukturen führen. Zudem sind sie meist nicht so „machthungrig“ und verzichten oft darauf, sich fördernder Netzwerke zu bedienen. Auch ich habe nicht die Zeit, mich in Netzwerken zu engagieren, aber Männer nehmen sich die Zeit einfach. Frauen sollten moderner werden und sich diese Zeit ebenfalls einfach nehmen.

Das Interview führte Angelika Thaler.

Quelle: Logistik express Ausgabe Nr.3|2009