Wer von Österreich aus die Geschäfte in Ost- und Zentraleuropa steuert, bedarf einer besonders durchdachten und effektiven Logistikstrategie. TEXT: ANGELIKA THALER

Essilor International S.A., Charenton- Paris, ist der weltweit größte Brillenglashersteller und existiert in Österreich bereits seit 1969. Seit 1995 betreut die Konzerntochter Essilor Austria GmbH mit ca. 200 Mitarbeitern insgesamt 13 Standorte in den 10 Ländern Österreich, Bosnien, Bulgarien, Kroatien, Montenegro, Polen, Rumänien, Serbien, Tschechien, Ungarn und der Slowakei. Ab Anfang 2009 wird auch Russland logistisch komplett integriert.

Zentrale Planung für alle Standorte 
„Wir verwalten von hier aus die Lagerbestände aller 10 Länder, die – je nach Standort, Produkt- und Produktuntergruppe – einzeln disponiert bzw. parametriert werden“, erklärt Christoph F. Tamegger, zum Zeitpunkt des Interviews Logistic Manager Eastern Europe & Austria. „Das bedeutet eine hocheffektive Bestellung und Versendung von Produkten mit einem Servicelevel von 99,3 Prozent bei gleichzeitig voll optimierter Lagerhaltung.“ Die Herausforderung bestünde nun darin, die kleinstmögliche effektive Lagermenge für einen stabilen Servicelevel zu finden und gleichzeitig die Abschreibungsbeträge zu minimieren. Die Grundlage hierfür würde eine „Harmonisierung“ inklusive Forecasting bilden. „Ohne international einheitliche Abläufe ist eine effektive, also zeit- und kostensparende Ablauforganisation unmöglich. Ohne Forecasting kann eine markt- und saisonbezogene, langfristige Planung ohnehin nicht funktionieren“, ist Tamegger überzeugt. Daher würde auch die Definition und Implementierung neuer Abläufe von Österreich ausgehen. Doch damit nicht genug: „Wir servicieren die Filialen, indem wir ihnen bei täglichen Problemen Auskunft erteilen, ihre virtuelle Lagerhaltung organisieren und planen, Trainings veranstalten und ihren Wissensstand immer weiter aufbauen, bis eine eigenständige Logistik vor Ort entsteht. Hinzu kommt die umfassende Versorgung mit wichtigen Informationen“, berichtet Tamegger, der zu diesem Zwecke einen eigenen Logistik Report mit 10 verschiedenen, aussagekräftigen Statistiken sowie dem quartalsweisen LOG-Survey kreiert hat. Essilor verzichtet komplett auf einen eigenen Fuhrpark und arbeitet mit verschiedenen Paketdienstleistern zusammen.

Herausforderung und Strategie 
„Eine der größeren Herausforderungen in Osteuropa ist die geringe Erfahrung im Bezug auf globales Teamwork und internationale Geschäfte“, meint Tamegger und konkretisiert: „Englisch ist leider nach wie vor nicht selbstverständlich, die Sprachbarriere und damit die Gefahr von Missverständnissen darf man nicht unterschätzen.“ Letztere könnten sich negativ auf Zeit, Kosten und den Servicelevel und so indirekt auf den Umsatz auswirken. Auch das Personal ist in Tameggers Augen ein kritischer Punkt: „Der Kostenfaktor wirkt sich auf die Anzahl der Mitarbeiter aus, daher sollten vom General Manager bis zum Lagerarbeiter alle die Logistik und damit verbundene Verantwortlichkeiten verstehen.“ Tamegger: „Wenn man das Wissen, die Erfahrung, das nötige Know-how mitbringt und die Möglichkeiten und die Motivation hat, alles umzusetzen, kann man auch in Österreich einen durchaus erfolgreichen Standort führen. Viele Dinge, welche uns täglich als selbstverständlich erscheinen, Ideen, Entscheidungen usw. basieren auf Erfahrung. Durch die Weiterentwicklung der Logistik in Österreich bzw. der Investition in diese erspart man sich global gesehen natürlich wieder erhöhte Kosten.

Outsourcing ist out 
„Meiner Meinung und Beobachtung nach geht der Trend aufgrund unterschätzter Kosten und Aufwände langsam aber definitiv vom Outsourcing in Osteuropa zurück zu einer bodenständigen Basis in Zentraleuropa“, stellt Tamegger fest. „Unser Plan war es, Österreich als Drehscheibe für den Logistikfluss und die Verwaltung sowie als Wissens- und Erfahrungsplattform zu nutzen, um die Expansion nach Osteuropa aufzubauen, worin wir gerade in den letzten eineinhalb Jahren große Erfolge erzielt haben.“ IM FOKUS